Eishockey für Sehbehinderte und Blinde

Hier könnt ihr coole Sportarten und andere Hobbies kennenlernen und findet hilfreiche Anregungen.
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Eishockey für Sehbehinderte und Blinde

Beitrag von Reiner Delgado DBSV Mitarbeiter » 05.06.2026, 09:53

In fünf Ländern wird es schon von Sehbehinderten und Blinden gemeinsam gespielt. Der kanadische Blindeneishockeyverband will es nun auch nach Deutschland bringen.
Es gibt nur wenige Anpassungen im Vergleich zum regulären Eishockey: Der Puck ist größer, aus Metall und rasselt laut, das Tor ist niedriger und wenn der Puck die blaue Angriffslinie überquert hat, muss er mindestens noch einmal gepasst werden.
Der DBSV versucht gerade, ein Schnuppertraining zu organisieren. Wer dabei sein möchte meldet sich bei Felix Högl (f.hoegl@dbsv.org).
Außerdem können sich Interessierte beim kanadischen Verband melden, wenn sie über die Entwicklung auf dem Laufenden gehalten werden wollen:
https://forms.gle/YJDkSzPaRjEBNFit9

Blind auf dem Eis? So funktioniert Eishockey für blinde und sehbehinderte Menschen

Beitrag von Sophie Heinicke » 05.09.2026, 15:08

Wenn man an Eishockey denkt, fallen einem wahrscheinlich rasante Spielzüge, schnelle Pässe und ein kleiner schwarzer Puck ein, der mit hoher Geschwindigkeit über das Eis fliegt. Auf den ersten Blick scheint das ein Sport zu sein, den man ohne gutes Sehvermögen kaum ausüben kann. Doch tatsächlich gibt es eine eigene Variante des Sports für blinde und sehbehinderte Menschen: Blind Hockey oder Blindeneishockey.
Und wer jetzt denkt, dass dabei nur gemütlich über das Eis gefahren wird, liegt völlig daneben. Blind Hockey ist schnell, körperlich anspruchsvoll und verlangt den Spielerinnen und Spielern jede Menge Können, Orientierung und Teamarbeit ab.

Wie funktioniert Blind Hockey?
Die wichtigste Anpassung betrifft den Puck. Statt des klassischen schwarzen Hartgummipucks wird ein deutlich größerer Metallpuck verwendet. Im Inneren befinden sich kleine Kugellager, die beim Gleiten über das Eis ein deutlich hörbares Rasseln erzeugen. Dadurch können die Spielerinnen und Spieler den Puck über das Gehör orten und verfolgen. Zudem ist der Puck größer als ein herkömmlicher Eishockeypuck und dadurch für Menschen mit Sehrest leichter zu erkennen.

Auch einige Regeln wurden angepasst. So muss die angreifende Mannschaft nach dem Überqueren der blauen Linie zunächst einen Pass spielen, bevor ein Torschuss erlaubt ist. Diese sogenannte „Pass Rule“ gibt insbesondere den Torhütern mehr Zeit, den Puck akustisch zu lokalisieren. Außerdem sind die Tore niedriger als im klassischen Eishockey, damit der Puck näher am Eis bleibt und besser verfolgt werden kann.

Auf dem Eis wird deutlich mehr gesprochen als im traditionellen Eishockey. Spieler rufen ihre Positionen, geben Anweisungen oder warnen ihre Mitspieler. Kommunikation ist ein wesentlicher Bestandteil des Spiels und oft genauso wichtig wie Technik oder Schnelligkeit.

Können auch vollständig blinde Menschen mitspielen?
Ja. Im Blind Hockey spielen Menschen mit unterschiedlich starken Sehbeeinträchtigungen gemeinsam. International werden die Spieler in verschiedene Sehklassen eingeteilt – von vollständig blind bis zu Menschen mit einem geringen Sehrest. Besonders interessant: Die Torhüter sind häufig vollständig blind oder tragen sogar Augenbinden, um gleiche Bedingungen zu schaffen.

Die Spieler mit dem größten Sehrest übernehmen oft die Positionen im Angriff, während Spieler mit geringerem Sehvermögen häufiger in der Defensive eingesetzt werden. Das ermöglicht ein ausgewogenes und faires Spiel für alle Beteiligten.

Wo wird Blind Hockey bereits gespielt?
Besonders weit entwickelt ist die Sportart in Kanada. Dort existiert Blind Hockey bereits seit den 1970er Jahren. Die Sportart wächst seit Jahren kontinuierlich und verfügt über nationale Turniere sowie Nachwuchsprogramme.
Zu den bekanntesten Teams gehören die Toronto Ice Owls. Das Team wurde bereits 1972 gegründet und gilt als die älteste Blind-Hockey-Mannschaft der Welt. Die Spieler trainieren regelmäßig und nehmen an nationalen Wettbewerben teil.

Auch in den USA hat sich eine aktive Blind-Hockey-Szene entwickelt. Dort finden regionale Turniere und nationale Meisterschaften statt. Die Sportart wird von der United States Association of Blind Athletes unterstützt und wächst stetig weiter.

Darüber hinaus gibt es inzwischen organisierte Blind-Hockey-Programme in England, Finnland und Russland. Internationale Begegnungen und Turnierserien sorgen dafür, dass die Sportart zunehmend bekannter wird.

Wie sieht es in Deutschland aus?
In Deutschland steckt Blind Hockey noch in den Kinderschuhen. Allerdings gibt es vielversprechende Entwicklungen. Die International Blind Ice Hockey Federation (IBIHF) arbeitet aktuell daran, die Sportart auch hierzulande aufzubauen. Auf der SightCity 2026 wurde beispielsweise vorgestellt, dass Interessierte in Deutschland beim Aufbau der ersten Blind-Hockey-Programme unterstützt werden sollen. Ziel ist es, langfristig auch in Deutschland Trainingsgruppen und Mannschaften zu etablieren.

Für viele blinde und sehbehinderte Menschen könnte sich dadurch eine völlig neue Möglichkeit eröffnen, einen faszinierenden Mannschaftssport auszuüben, der bislang oft als unerreichbar galt.

Mehr als nur ein Sport
Blind Hockey zeigt eindrucksvoll, was mit den richtigen Anpassungen möglich ist. Der Sport verbindet Bewegung, Teamgeist, Orientierung und Mut. Wer die Spieler einmal auf dem Eis erlebt hat, merkt schnell: Hier geht es nicht darum, was jemand nicht sehen kann. Es geht darum, was möglich wird, wenn Barrieren abgebaut werden.

Vielleicht sehen wir schon in den kommenden Jahren die ersten deutschen Blind-Hockey-Teams auf dem Eis. Die Begeisterung dafür ist jedenfalls längst vorhanden.

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