Apple Vision Pro: Was kann räumliches Computing?

Alles rund um Medien: Hier ist Platz für Filmtipps, Fragen zum perfekten Sound, oder die neusten Hörbücher.
Antworten

Apple Vision Pro: Was kann räumliches Computing?

Beitrag von Julien Franke » 07.04.2025, 11:12

Die Apple Vision Pro ist aktuell sowohl eins der teuersten, als auch der barrierefreisten Mixed Reality-Headsets. Wenn euch ein genauerer Test interessiert, hört gern in die zugehörige offSight Podcast-Folge zur Apple Vision Pro rein.
Hier möchte ich euch die Gelegenheit geben, noch offene Fragen zu besprechen und ggf. über das ganze Thema weiter zu diskutieren. Außerdem werde ich spannende Updates posten, sollten welche auftauchen.

Hier jetzt nochmal das Fazit nach einem Monat Test in Kürze:
[*] Bedienungshilfen wie Voiceover, Zoom, Kontraste etc. sind vorhanden und gerade Voiceove macht die Vision Pro aktuell zum einzigen XR-Headset mit Screenreader.
[*] Die Bedienung mit Voiceover ist intuitiv, aber auch komplex, wodurch schnell Fehleingaben entstehen.
[*] Es gibt noch Fehler in der Software, die in Zusammenarbeit mit Voiceover eine teilweise eingeschränkte Nutzererfahrung zur Folge haben.
[*] Wie gut eine App zugänglich ist, hängt von den Entwicklern ab. Apple stellt dafür grundlegend APIs zur Verfügung, die müssen eben nur genutzt werden.
[*] Immersive Content ist beeindruckend, aber aufwändig zu produzieren und aufgrund der geringen Größe der Plattform am Markt aktuell noch ziemlich wenig vorhanden.
[*] Je mehr Sehkraft übrig ist, desto mehr profitiert man vom Immersive Content und der generellen Nutzererfahrung.
[*] Das Betriebssystem VisionOS ist für sein frühes Stadium sehr stabil, durchdacht und detailverliebt.
[*] Der Preis ist für den Funktionsumfang zu hoch, und besonders das Originalzubehör ist unverschämt teuer.
[*] Die Vision Pro ist ein Produkt der ersten Generation, muss sich also noch stark weiterentwickeln und seine Nische finden.

UPDATE: Wo stehen wir inzwischen mit räumlichem Computing

Beitrag von Julien Franke » 17.02.2026, 10:27

First things first: der Markt entwickelt sich sehr langsam. Im vergangenen Herbst hat es drei wesentliche Veränderungen gegeben, die ich euch gern mitteilen möchte.

Punkt 1: Aktualisierung der Vision Pro
Apple hat die Vision Pro mit dem M5-Chip aktualisiert, der z.B. auch im aktuellen Basis-Macbook Pro oder im aktuellen iPad Pro steckt. Damit bekommt das Headset in erster Linie einen Performancezuwachs, was es zukunftssicherer macht, da genug Leistungsreserven für aufwändige Prozesse vorhanden sind. Gerade bei einem Gerät wie der Vision Pro ist das ein wichtiger, aktuell aber kaum spürbarer Schritt. Sonst ist das Gerät in Aussehen und Ausstattung gleich geblieben, nur wurde ein neues Kopfband eingeführt, das meiner Meinung nach den Tragecomfort definitiv steigert.

Punkt 2: VisionOS 26
Wie jedes andere Betriebssystem auch, erhält VisionOS regelmäßig Updates. Das hat jetzt, passend zu der neuen, einheitlichen Versionsnummerierung, den Sprung von VisionOS 2 auf VisionOS 26 gemacht. Hier kann man jetzt beispielsweise App-Fenster oder Widgets wie Bilderrahmen an den Zimmerwänden platzieren, und diese Konfiguration baut sich auch jedesmal selbst wieder auf, wenn man die Vision Pro neustartet. Mit VoiceOver ist das ganze aber sehr fummelig und schwer umsetzbar. Dafür wurde ein Problem behoben, das ich im Podcast kritisiert habe: wenn man im App Store versucht, eine App zu laden, und zur Bestätigung den Code eingeben muss, kann man das inzwischen problemlos tun. VoiceOver springt nicht mehr aus dem Zahlenfeld heraus. Dafür haben wir ein Problem, das gerade bei einem so nischigen Produkt besonders stark auffält: es gibt kaum Drittanbieter-Apps, die mit VoiceOver bedienbar sind. Zwar bietet Apple die Möglichkeit, auch interaktive Inhalte für VoiceOver kompatibel zu gestalten, aber die müssen von den Entwicklern auch genutzt werden, und das ist kaum der Fall.
Das Fazit bleibt also unverändert: die Vision Pro ist ein sehr beeindruckendes Gerät, das aber noch nicht wirklich seinen Markt gefunden hat.

Punkt 3: Vorstellung der Galaxy XR
Lange wurde darüber spekuliert, inzwischen ist sie offiziell vorgestellt worden: die Samsung Galaxy XR. Dabei handelt es sich um eine direkte Antwort auf die Apple Vision Pro. Die Galaxy XR ist ein kooperatives Produkt, wobei Samsung die Hardware, Qualcomm den Prozessor, und Google das Betriebssystem bereitstellt. Sie erinnert optisch an die Vision Pro, kostet aber deutlich weniger, obwohl der Preis mit knapp $2.000 noch immer sehr hoch ist. Aktuell ist sie in Südkorea und den USA verfügbar, soll aber Gerüchten zufolge dieses Jahr auch nach Deutschland kommen. Das Betriebssystem, Android XR, unterstützt Bedienungshilfen wie TalkBack. Wie gut das aber funktioniert, müssen Tests zeigen.

Fazit: Was ist los mit Mixed Reality?
Antwort: es hat aktuell kaum Alleinstellungsmerkmale. Die Headsets sind groß, brauchen eine Weile zum Hochfahren, und müssen auf dem Kopf so justiert werden, dass sie möglichst gut sitzen. Einen Laptop muss man nur aufklappen und ein Smartphone nur in die Hand nehmen. In vielen Bereichen sind diese Geräte also deutlich praktischer, um Längen vielseitiger und schneller, weil sie bspw. direktere Eingaben möglich machen, und nicht über Handgesten durch die Luft gesteuert werden. Ein Gerät wie die Vision Pro oder Galaxy XR braucht also einen derartigen Mehrwert, dass er das umständlichere Aktivieren und Aufsetzen rechtfertigt. Immersive Content ist beeindruckend, aber irgendwann durch das geringe Angebot auch erschöpft. Und wenn eine Plattform eher klein bleibt, sinkt auch der Anreiz für Entwickler, dedizierte Apps zu erstellen und zu pflegen. Und der Anreiz, das ganze noch barrierefrei zu machen, der geht in vielen Fällen wohl gegen 0.
Momentan sieht es eher so aus, als liege der Fokus der Tech-Firmen auf Smart Glasses. Dahingehend hat Meta in Kooperation mit Rayban bereits seit einiger Zeit vorgelegt, Google hat zumindest Prototypen präsentiert, und auch Apple arbeitet Gerüchten zufolge eher verstärkt an einer solchen smarten Brille. Das heißt: die Mixed Reality-Headsets stehen hinten an, weil die potenzielle Praktikabilität eines Wearables mit nahezu demselben Formfaktor einer gewöhnlichen Brille, potenziell deutlich höher ist.
Schauen wir also mal, wohin die Reise geht. Spannend wird es auf die ein oder andere Art ganz bestimmt.

Antworten