Handwerken geht auch blind

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Handwerken geht auch blind

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 19.11.2022, 12:19

Was auf Deutsch Heimwerken genannt wird, heißt auf Englisch einfach "do it yourself". Und das entspricht genau unserem Ansatz im Projekt "Wir sehen keine Grenzen", nicht andere machen lassen, sondern selbst machen.
Aber wie schlägt man einen Nagel ein, ohne sich auf die Finger zu hauen? Wie vermeidet man, sich in die Finger zu sägen? Wie dübelt man ein Regal gerade an die Wand? Im Seminar "Mach es selbst" zeigten wir euch, wie das auch blind oder bei schlechter Sicht geht.
In diesem Thread möchte ich die im Seminar vermittelten Arbeitsschritte und Methoden erläutern. Vorab aber noch ein paar Worte zu mir.
Während des Seminars sagten mehrere Teilnehmende, sie seien mit dem Glauben aufgewachsen, Blinde könnten so etwas nicht. Daher möchte ich hier kurz anreißen, wie ich zum Handwerken gekommen bin.
Ich fand es schon als Kind cool, wenn jemand Dinge reparieren oder bauen konnte, statt Fachleute zu bemühen oder etwas einfach zu kaufen. Ich hatte Bezugspersonen, die ihren Computer repariert, ein Bett gebaut oder die Karosserie ihres Autos nach einem Unfall eigenhändig ausgebeult haben. So jemand wollte ich auch werden. Die Tatsache, dass meine Vorbilder sehen konnten, während ich blind war, kam mir gar nicht in den Sinn.
In der Heimwerkstatt meines Opas hatte ich Zugang zu Werkzeugen, Nägeln, Schrauben, Holz- und Metallresten aller art. Ich hämmerte, sägte und bog an irgendwelchen Teilen herum, manchmal um etwas bestimmtes zu basteln, manchmal nur um herauszufinden, wie das geht. Dabei entwickelte ich unbewusst Methoden, die meiner Blindheit angepasst waren. So drehte ich den Hammer um 90°, um mit der breiten Seite auf den Nagel zu schlagen. Damit hatte ich mehr Fläche und schlug mir nicht so leicht auf die Finger, wenn ich mal einen Centimeter daneben lag.
Das Wichtigste an meiner Entwicklung zum Heimwerker war, dass mir nie jemand gesagt hat, das ginge nicht, weil ich blind bin. Diese Einstellung ist für mich mit das Schlimmste, was man einem blinden Kind antun kann. "Another Brick in the Wall"

Bauen eines Langstockhalters

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 19.11.2022, 12:23

Der Langstockhalter besteht aus einem Brett mit sogenannten Federklemmen, das durch Messingbeschläge und Ziernägel zu einem echten Hingucker bzw. Hinfasser wird. Er hat also nicht nur praktischen Nutzen, sondern macht auch noch was her.
Die Idee dazu kam mir, als ich in einem Baumarkt so eine Federklemme fühlte, die eigentlich als Werkzeughalter gedacht ist. Ich musste an das Durcheinander von Stöcken denken, dass es immer gibt, wenn man Blinde zu sich einlädt oder auf eine Fete geht, wo mehrere andere Blinde hinkommen. Dann stehen immer etliche Stöcke in der Ecke und wenn man nach dem Eigenen sucht, fallen gelegentlich andere um.
Ich dachte, mit diesen Federklemmen könnte ich eine Art Garderobe für Stöcke bauen. So wie man die Jacke an einen Haken hängt, könnte man den Stock in eine Klemme klicken und da leicht wiederfinden.
Der Stockhalter löst zwar kein Menschheitsproblem, so schlimm ist das Stockdurcheinander auch nicht, aber er ist einfach eine witzige Idee, die Blindenspezifisch ist - und vor allem ist er selbstgemacht.
Bei der Verzierung kann man kreativ werden. Das Brett bietet auf der Vorderseite und an den schmalen Seiten viel Platz, um mit Ziernägeln zu arbeiten. Reiner hat sogar eine Methode entwickelt, mit den Rundkopfnägeln Braille zu schreiben. So haben zwei Teilnehmerinnen ihren Namen aufs Brett gehämmert. Dazu später mehr. An den Ecken werden Messingbeschläge angebracht, die dem Werkstück einen gediegenen Eindruck verleihen
Die Teilnehmenden konnten wählen, ob sie einen Langstockhalter oder eine Hakenleiste bauen wollten. Einige entschieden sich auch für eine Mischung aus Beiden. Die Herstellung beinhaltet grundlegende Bearbeitungsschritte, die beim Handwerken immer wieder gebraucht werden.
In den folgenden Beiträgen gebe ich eine Bauanleitung, in der ich die einzelnen Schritte und ggf. angepasste Methoden erläutere.
Hier ein Foto von einem Werkstück, das beim DIY-Seminar entstand.
StockhalterDIY22.jpg
Ein Brett mit geschwungenen Haken und Klemmen, Ziernägeln und Messingbeschlägen liegt auf einem Tisch zwischen Schleifpapier und Schraubendreher.
StockhalterDIY22.jpg (101.11 KiB) 1285 mal betrachtet

Materialliste für den Stockhalter

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 19.11.2022, 12:24

Hier stelle ich eine Liste der verwendeten Baumaterialien und Werkzeuge zusammen. Da wir keine Werbung machen, verlinke ich nicht zu den Produktseiten. Ich nenne aber die genaue Bezeichnung und die Maße, so dass ihr sie leicht finden könnt.
Baumaterial
• Holzbrett, 18 mm Fichte, 12 x 24 cm
Natürlich kann man ein beliebiges Maß wählen, aber dann muss man das weitere Vorgehen, insbesondere im Beitrag zum Markieren, entsprechend anpassen.
• Tool Clips / Federklemmen aus Federstahl, verzinkt, geschlossen, 13-14 mm Durchmesser
• Holzschrauben: Messingschrauben 3 mm x 16 mm
• Spax Universalschrauben, 4 x 40 oder 50 mm, Torx-Antrieb
• Kantenabdeckung / Messingbeschläge / Zierecken mit Schrauben
• Ziernägel / Polsternägel
• Spreizdübel, 6 x 30 mm
Werkzeug:
• Schraubendreher Ratsche mit Bitmagazin
• Schlosserhammer, 200 g
Wichtig! Der Hammer sollte einen ovalen Stiel haben, damit man die Ausrichtung fühlt. Da wir den Hammer um 90° drehen, sollte es kein Klauenhammer sein, mit dem man z.B. auch Nägel entfernen kann, da dann der Hammer Schlagseite bekommt. ER sollte vorne in eine Pinne auslaufen.
• Schleifklotz mit Klemmvorrichtung und Schleif-Papier / Schleifstreifen, 93 x 230 mm
• Holzbohrer Set
• Betonbohrer Set
• Wasserwagen-App Clinometer
Hier Clinometer im App Store
Hier Clinometer im Play Store
• Strom & Metall Leitungssucher mit akustischem Signal
• 12V Akku-Bohrschrauber
• Schlagbohrmaschine

Das richtige Holz zum Handwerken

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 19.11.2022, 12:26

Viele Baumärkte haben einen Zuschnitt-Service, wo man sich Holz nach Maß zurechtsägen lassen kann. Für unseren Zweck habe ich 18 mm Fichtenholz zu 12 mal 24 cm großen Brettern sägen lassen. Da sägen, insbesondere gerade sägen viel Übung erfordert, gehörte das nicht zu den Arbeitsschritten für das Werkstück. Hätten die Teilnehmenden erst mal ihre Bretter zurecht sägen müssen, hätte es viel verschnitt und Frust gegeben, ganz abgesehen von der Zeit, die das gebraucht hätte.
Fichte ist ein weiches Holz, dass sich gut für Einstiegsprojekte eignet. Nägel und Schrauben gehen leicht rein und lassen sich auch relativ leicht wieder lösen. Buche ist z.B. viel härter. Bohren und Hämmern erfordert mehr Kraft und Ausdauer. Während man eine Holzschraube problemlos in ein Fichtenbrett drehen kann, sollte man bei Buche ein Loch vorbohren. Das erleichtert das Einschrauben und belastet das Material weniger.

Maß nehmen und Markieren

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 19.11.2022, 12:30

Die folgende Beschreibung ist sehr detailliert und ausführlich. Am besten probiert ihr Schritt für Schritt in Ruhe nacheinander selbst aus.
Zuerst werden die Stellen markiert, wo die Schrauben für die Klemmen gesetzt werden. Die sollen möglichst symmetrisch auf dem Brett verteilt sein. Sehende machen das mit Zollstock und Bleistift. Wir müssen da kreativ werden. Man könnte zwar zu einem taktilen Zollstock greifen, aber damit wäre es nicht getan. Man bräuchte zusätzlich eine Markierung, die sich in Breite und Höhe verstellen lässt, ohne die jeweils andere Koordinate zu verändern.
Zum Markieren diente uns Kreppband für Bastel- und Malbedarf. Kreppband klebt nicht sehr fest und lässt sich spurlos wieder entfernen. Man kann es außerdem bequem mit den Fingern abreißen. Für den Stockhalter nutze ich Rollen mit einer Breite von 1, 2 und 3 cm.
Die Basis der Federklemmen, also der Teil, der auf das Brett geschraubt wird, ist ca. 2 cm breit und ca. 1 cm hoch. Es geht also darum, das Brett so mit Krepband zu bekleben, dass dort wo die Klemmen angebracht werden sollen, fühlbare Kästchen entstehen.
Das Musterbrett hat links und rechts jeweils einen Rand von 3 cm und dazwischen 5 Klemmen im Abstand von 2 cm.
Oben ist ein Rand von 3 cm, unten von 2 cm. Die Klemmen sind auf 2 verschiedenen Ebenen angebracht, also nicht alle 5 nebeneinander, sondern 2 oben und 3 unten.

Ab hier beschreibe ich was ich tue, statt allgemeine Anweisungen zu geben. Je nach dem, ob ihr links- oder rechtshändig seid, könnt ihr das für euch übersetzen.
Ich lege das Brett so, dass eine Kurze Seite zum Bauch zeigt und die Andere von mir weg.
Ich nehme eine 3 cm breite Kreppbandrolle in die linke Hand und ziehe mit der Rechten das Band ab. Die Klebefläche zeigt dabei nach unten, also zum Brett. Mit den Fingerknöcheln beider Hände berühre ich dabei das Brett bzw. dessen linke und rechte Kante. So kann ich abschätzen, wie viel Band ich abgezogen habe. Der Streifen sollte etwas länger sein, als das Brett breit ist. Dann reiße ich den Streifen dicht an der Rolle mit den Fingern ab. Da einige Teilnehmende den Streifen nicht gerissen, sondern daran gezogen haben und dafür natürlich viel Kraft brauchten, erkläre ich hier meine Technik.
Ich drücke den Streifen mit dem linken Daumen an die Rolle und mache dicht daneben mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand eine Reißbewegung quer zur Rolle, wie wenn man Papier durchreist.
Jetzt halte ich den Streifen an den Enden zwischen Daumen und Mittelfinger, dicht über dem Brett. Mit den Kuppen der Zeigefinger taste ich nach der von mir weg zeigenden Kante des Bretts. Dann lege ich die Zeigefingerkuppen an die Kante und komme mit dem Streifen nach, bis ich auch seine von mir weg zeigende Kante fühle.
Wenn ich mit den Zeigefingern beide Kanten fühle, ist der Streifen so ausgerichtet, dass er mit der Kante des Bretts abschließt.
Jetzt senke ich den Streifen langsam auf das Brett und überwache mit den Zeigefingern die Ausrichtung der beiden Kanten, bis der Streifen das Brett berührt und festklebt. Wenn jetzt an der Kante weder überstehendes Kreppband, noch unbeklebtes Holz zu fühlen ist, ist der Streifen richtig angebracht.
Wenn der erste Versuch misslingt, kann man den Streifen wieder abziehen und nochmal versuchen. Man kann Krepbandstreifen mehrfach wiederverwenden. Am Ende werden die Streifen ja eh wieder abgezogen.
Jetzt wird der Vorgang mit einem 2 cm breiten Streifen wiederholt. Das Ziel ist, den Zweiten Streifen so aufzukleben, dass er mit dem ersten Streifen abschließt.
Diesmal halte ich den Streifen an den Enden zwischen Daumen und Zeigefinger. Die Daumenkuppen ragen dabei etwas über den Streifen hinaus, von mir weg.
Ich kippe den Streifen ein Wenig, so dass die von mir weg zeigende Kante das Brett berührt, ohne festzukleben. Dann schiebe ich den Streifen langsam auf den ersten Streifen zu, bis sie sich berühren. Mit den Daumenkuppen verfolge ich, wie sich die Lücke schließt und mit den Fingern, die den Streifen führen, spüre ich den Widerstand.
Manchmal hilft es, die Annäherung der Kanten mehrmals zu wiederholen, um ein Gefühl für das Material zu bekommen und die Finger zu sensibilisieren.
Der Vorgang wird jetzt mit einem weiteren 2 cm breiten Streifen wiederholt. Wenn drei Streifen nebeneinander kleben, ziehe ich den Mittleren ab und klebe ihn an die Stelle des vierten Streifens. Daneben klebe ich wieder einen Streifen von der Rolle. Von der entfernten Kante aus gesehen, habe ich also zuerst einen Streifen, dann eine Lücke und dann wieder drei Streifen. Davon ziehe ich wieder den Mittleren ab und klebe ihn an die Stelle des sechsten Streifens.
Das wiederhole ich, bis ich an der zu mir zeigenden Kante des Bretts ankomme. Der letzte Streifen muss wieder mit der Kante abschließen.
Jetzt drehe ich das Brett um 90°, so dass eine der langen Seiten zu mir und die Andere von mir weg zeigt.
Vor mir habe ich fünf 2 cm breite Lücken, die von 2 cm breiten Streifen getrennt sind. Links und rechts ist jeweils ein Rand von 3 cm markiert.
Das ermöglicht mir eine symmetrische Anordnung der Klemmen auf der horizontalen Ebene. Um die Klemmen auch vertikal symmetrisch zu platzieren, wiederhole ich die oben beschriebene Methode, nur das das Brett jetzt mit einer Langen Seite zu mir und mit der Anderen von mir weg zeigt.
Ich fange mit einem 3 cm breiten Streifen an der oberen Kante an, klebe als nächstes einen 1 cm breiten Streifen auf, da die Klemmen nur 1 cm hoch sind, klebe dann einen 2 cm breiten Streifen als Abstandsmarkierung auf, ziehe den 1 cm breiten Streifen ab und setze ihn darunter. So geht es weiter, bis ich an der zu mir zeigenden Kante mit einem 2 cm breiten Streifen abschließe.
Jetzt habe ich ein Brett mit 15 gleichmäßig verteilten Kästchen, die jeweils 1 cm hoch und 2 cm breit sind.
Wenn man sich das Brett als Tabelle oder als Koordinatenkreuz vorstellt, habe ich 3 Zeilen und 5 Spalten. Ich kann also in einer Spalte die Klemme in 3 verschiedene Kästchen setzen. So kann ich auf dem Brett z.B. 2 Klemmen oben, eine in der Mitte und 2 unten platzieren. Auch eine Pyramide mit einer klemme oben, 2 in der Mitte und 2 ganz unten ist möglich - oder auch zwei oben und drei unten.
Natürlich kann man auch alle Fünf in einer Ebene platzieren, aber ich dachte mir, dass man durch die verschiedenen Ebenen auch unterschiedliche Stocklängen berücksichtigt.

Jetzt werden die Stellen markiert, wo die Schrauben für die Klemmen eingedreht werden.
Das Brett liegt wieder mit einer langen Seite zu mir. Ich nehme eine Klemme und setze sie mit Daumen und Zeigefinger ungefähr auf eines der Kästchen. Jetzt kippe ich sie ein Wenig von mir weg, so dass nur der von mir weg zeigende Rand ihrer Basis das Brett berührt.
Nun schiebe ich die Klemme etwas vor und zurück, also zu mir hin und wieder von mir weg, um mit dem Rand der Klemme den oberen Rand des Kästchens zu finden. Wenn ich mit der Klemme gegen das Klebeband stoße, gibt es einen leichten Wiederstand. Auch diesen Vorgang kann man mehrfach wiederholen, um sich einzufühlen.
Wenn ich die Basis der Klemme am Klebeband ausgerichtet habe, stelle ich sie aufrecht, sie war ja gekippt, und fühle, ob die Seiten der Klemme mit den Seiten des Kästchens abschließen. Falls nicht, verschiebe ich sie ein Wenig nach links oder rechts.
Jetzt nehme ich einen Nagel von 5 bis 6 cm Länge und stecke ihn durch das Schraubloch in der Basis der Klemme.
Mit dem Nagel wird nur ein kleines Loch gemacht, das ich später ertasten kann, um die Klemme festzuschrauben. Das Loch hat außerdem den Vorteil, dass die Schraube so schon einen Halt hat und ich sie nicht in das glatte Holz schrauben muss. Das braucht mehr Fingerspitzengefühl und man kann dabei leicht verrutschen.
Meine rechte Hand liegt mit ihrer rechten Kante auf dem Brett. Ich halte den Nagel zwischen Daumen und Zeigefinger. Mit der Linken halte ich den Hammer. Wie oben beschrieben, drehe ich den Hammer um 90°, so dass ich mit der breiten Seite des Hammerkopfes auf den Nagel haue. So ist die Gefahr, mir auf die Finger zu hauen, geringer.
Der hölzerne Hammerstiel ist oval. Ich kann also fühlen, ob ich ihn aufrecht oder um 90° gedreht in der Hand halte.
Ich lege zunächst den Hammerkopf auf den Nagelkopf. Dabei ist der Hammerstil ungefähr waagerecht, Hammerstiel und Nagel bilden also einen rechten Winkel. Würde ich den Stiel höher halten, würde ich den Nagel schräg von oben treffen. Das bedeutet weniger Schlagkraft und der Nagel würde, wenn überhaupt, schräg in das Brett eindringen.
Jetzt mache ich erste kleine Schläge. Wichtig ist, dass man nicht weit ausholt. Je größer die Strecke, die der Hammer zurücklegen muss, desto größer die Gefahr, daneben zu hauen. Man kann mit ganz kleinen Bewegungen anfangen, um ein Gefühl für das Gewicht des Hammers und seine Wirkung zu bekommen. Wenn man sich eingegroovt hat, macht man härtere Schläge. Dabei holt man nicht unbedingt weiter aus, man schlägt nur fester zu.
Ob man die Schläge aus dem Handgelenk oder aus dem Ellenbogen macht, ist Geschmacks- und Gefühlssache. Einfach ausprobieren.
Mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand fühle ich, ob und wie weit der Nagel ins Holz dringt. Es geht nicht darum, den Nagel tief einzuschlagen. Er soll nur ein ertastbares Loch hinterlassen und sich möglichst mit der Hand wieder rausziehen lassen.
Ich wiederhole das an den Stellen, wo die Klemmen später angebracht werden sollen.
Anschließend wird das Krepband entfernt. Es diente ja nur als Markierhilfe. Man kann die einzelnen Streifen abziehen, aber weil sie Gitterförmich geklebt sind, kann man auch versuchen, das Streifengitter an einer Ecke zu lösen und insgesamt vom Brett zu ziehen. Übrig bleiben die fühlbaren Löcher für die Schrauben.

Fixieren der Federklemmen für den Stockhalter

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 20.11.2022, 17:31

Sehende würden jetzt wahrscheinlich die Klemme an der gezeichneten Markierung aufsetzen und die Schraube ins Loch der Basis stecken. Wir müssen hier wieder taktil vorgehen.
Ich will das mit dem Nagel markierte Loch gleich mit der Schraube treffen. Dazu stecke ich die Schraube zuerst durch das Loch in der Basis.
Das ist tricky, weil die Basis nicht frei zugänglich ist. Wenn man sich die Klemme wie ein Maul vorstellt, halten die Kiefer vorne den Stock und die Basis stellt den Rachen da. Meine Finger passen nicht zwischen die Kiefer, ich kann also die Schraube nicht einfach einführen.
Anders als ein Maul hat die klemme aber an den Seiten keine Wangen, ist dort also offen. Ich lege die Klemme flach auf das Brett, so dass die Basis zu mir zeigt. Jetzt lege ich die Schraube mit der Spitze zu mir in die Klemme. Während ich die Klemme mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand festhalte, halte ich den Kopf der Schraube zwischen den Spitzen von Daumen und Zeigefinger der linken Hand und versuche, die Schraube in das Loch zu manövrieren. Wenn ich mit der Spitze die Basis berühre, bewege ich sie seitlich hin und her, bis sie das Loch trifft.
Jetzt nehme ich die Klemme hoch und halte die Basis zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand, wobei ich den Schraubkopf ebenfalls fest und in Position halte.
Mit dem linken Zeigefinger taste ich nach dem im Brett markierten Loch und bewege die Schraube darauf zu. Dabei berührt die Schraube mit der Spitze das Brett, so dass ich fühle, wenn sie ins Loch geht.
Jetzt halte ich die Schraube in Position und nehme mit der linken Hand den Schraubendreher. Ich führe ihn von oben in die Klemme, also zwischen die Kiefer, wobei ich diese mit der Spitze des Schraubendrehers ein Wenig auseinanderdrücken muss.
Mit Daumen und Zeigefinger der rechten Hand halte ich immer noch den Schraubkopf und fühle nun auch die Spitze des Schraubendrehers von oben kommen.
Wenn die Spitze des Schraubendrehers den Schraubkopf berührt, drehe ich ihn vorsichtig, bis ich spüre, dass er in den Schlitz oder Kreuzschlitz rutscht. Dann drücke ich fester und beginne einzuschrauben, wo bei ich mit Daumen und Zeigefinger der Rechten die Schraube geradehalte und verfolge, wie sie ins Brett eindringt.
Die Schraube sollte so weit eingeschraubt werden, dass die Klemme sich gerade noch drehen lässt.

Wenn alle Klemmen sitzen, werden sie mit Hilfe einer Wasserwagen-App ausgerichtet. Mit einer Wasserwage prüft man die Ausrichtung eines Objektes, also z.B. ob ein Bild geradehängt. Ihr könnt damit sicherstellen, dass ihr euer Objekt nicht schief an die Wand montiert bzw. dass die Klemmen nicht schräg stehen.
Eine herkömmliche Wasserwage ist für uns nicht zugänglich. Ich nutze stattdessen die App Clinometer. Die App gibt per Sprachausgabe an, wie das Smartphone ausgerichtet ist. Liegt es z.B. flach auf einem perfekt ausgerichteten Tisch, meldet es "0°". Steht der Tisch etwas schräg, meldet es z.B. "3°".
Zunächst suche ich mir einen Tisch, ein Fensterbrett oder sonst eine Oberfläche, die eine Ausrichtung von 0° hat. Dann stelle ich das Brett hochkant mit der unteren langen Seite darauf, so dass die Vorderseite mit den Klemmen zu mir zeigt.
Jetzt balanciere ich das Smartphone mit der Unterkante, wo beim iPhone die Ladebuxe ist, auf der Basis einer der klemmen. Es berührt also mit der Rückseite das Brett und steht auf der Klemme.
Während das Smartphone ständig die Ausrichtung meldet, drehe ich die Klemme vorsichtig nach links oder rechts, bis 0° gemeldet werden. Dann greife ich schnell zum Schraubendreher und ziehe die Schraube fest an. Beim Anziehen kann es passieren, dass man die Klemme wieder ein Bisschen in die Drehrichtung mitnimmt. Ich halte mit Daumen und Zeigefinger dagegen und prüfe zum Schluss nochmal die Ausrichtung.

Anbringen der Verzierungen am Stockhalter

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 21.11.2022, 15:00

Die Messingbeschläge oder Zierecken sind dreieckige Metallteile, die an den Ecken des Bretts angebracht werden. Früher wurden Koffer und Türen damit versehen, um das Holz auf Reisen vor Stößen zu schützen. Heute findet man solche Schutzecken z.B. an Instrumentenkoffern. Vielfach werden sie als Zierelemente eingesetzt.
An jeder Ecke wird ein Beschlag aufgesetzt und an der kurzen und der Langen Seite des Bretts mit jeweils einer Schraube fixiert. Die Schraublöcher sind sehr klein und die Schrauben ebenfalls. Daher ist es hilfreich, mit einem sehr dünnen Bohrer Löcher vorzubohren. Dazu hält man den Beschlag an das Brett und sucht mit dem Bohrer das jeweilige Loch. So haben die Schrauben beim Eindrehen gleich etwas Halt.

Die Zier Nägel sind Nägel mit großen gewölbten Köpfen. Sie heißen auch Polsternägel, weil man früher bei Sesseln und Sofas das Polster damit am Holz befestigt hat. Es gibt sie mit glatten und mit geriffelten köpfen, die sehr schön anzufassen sind.
Mit dem Daumen drücke ich einen Nagel ein Wenig in das Holz, so dass er Halt hat. Er ist so kurz, dass Daumen und Zeigefinger der rechten Hand den Kopf halten können und gleichzeitig das Brett berühren.
Jetzt setze ich den Hammer mit der Pinne, also dem spitz zulaufenden Ende des Hammerkopfes auf den Nagelkopf. Auch die Pinne fühle ich mit Daumen und Zeigefinger, die den Nagelkopf halten. So finde ich die Mitte des Kopfes.
Mit kleinsten Bewegungen tippe ich mit der Pinne auf den Nagel und verstärke nach und nach meinen Anschlag. Dabei mache ich immer noch so kleine Bewegungen, dass meine Fingerkuppen nicht den Kontakt zur Pinne verlieren. Mit den Fingerkuppen fühle ich auch, wie der Nagel ins Holz dringt.
Man kann die lange Oberseite und die kurzen Seiten zwischen den Beschlägen damit verzieren. Auch auf der Oberfläche neben den Klemmen ist Platz. Der obere Rand von 3 cm bietet auch einige Möglichkeiten.
Wenn man mehrere Nägel in einer Linie haben möchte, kann man diese vorher mit einem Messer in das Holz ritzen, um sie zu fühlen.
Um immer den gleichen Abstand zu erreichen, kann man, bevor man einen Nagel ganz einschlägt, einen losen Nagel mit dem Kopf an den Mittelstift halten und gleich einen weiteren Nagel daneben setzen. Dann beträgt der Abstand von Mittelstift zu Mittelstift immer genau eine Kopfbreite. Die Nägel müssten dann also Kopf an Kopf sein.
Wenn man eine Figur machen möchte, ist es hilfreich, die Nägel nicht ganz einzuschlagen. Man schlägt sie zunächst nur etwa zur Hälfte ein, dann kann man sie aus dem weichen Fichtenholz relativ leicht wieder herausziehen, wenn man sich vertan hat - und den Nagel neu ansetzen. Da die Nagelköpfe groß sind. Verdecken sie die Löcher voriger Versuche, wenn man es nicht zu oft macht. Wenn dann die Figur steht, schlägt man die Nägel komplett ein.
Falls man für die letzten Schläge doch mehr Kraft benötigt, dreht man wieder den Hammer um 90° und nimmt die Finger aus dem Weg. Man muss aber das Brett festhalten, damit es nicht wegspringt.

Den Stockhalter an die Wand montieren

Beitrag von Robbie Sandberg DBSV Mitarbeiter » 21.11.2022, 19:21

Auf Holz und Fliesen sollte doppelseitiges Montageklebeband halten. Bei Putz oder sonstigen Wänden muss man bohren.
Zunächst müsst ihr zwei der Schrauben lösen, mit denen die Klemmen befestigt sind, und die Löcher durchbohren, damit ihr eine längere Schraube durchstecken könnt. Das geht gut mit einem Akku-Schraubbohrer.
Wie bohrt man nun gerade Löcher?
Legt das Brett auf eine waagerechte Unterlage und bohrt von oben. Ihr braucht einen Gegenstand mit einem rechten Winkel. Z.B. könnt ihr Medikamentenschachteln mit Tesafilm zu einem rechten Winkel zusammenkleben. Wer kleine Geschwister hat, kann das auch mit Lego basteln.
Den Bohrer steckt ihr in das bestehende Schraubloch. Den Winkel schiebt ihr an den Bohrer heran. Der Bohrer, gemeint ist der Bohreinsatz, muss genau in der Ecke stehen, so dass er beide Schenkel des Winkels berührt. Dann ist der Bohrer gerade, also rechtwinklig zum Brett.
Nun zur Wandmontage. Der Stockhalter sollte nicht zu hoch angebracht werden, damit die Langstöcke im Stand eingeklickt werden können. Man kann sie zwar auch in die Klemmen einhängen, aber das muss ja nicht sein.
Haltet einfach euren Stock an die Wand und bringt das Brett so an, dass die Klemmen sich unterhalb des Griffs befinden. Wenn ihr besonders klein oder groß seid, passt die Höhe entsprechend an, damit euere Gäste den Stockhalter mitnutzen können.
Vorsicht! Bevor ihr ein Loch in die Wand bohrt, solltet ihr sicherstellen, dass sich da kein Stromkabel oder eine Wasserleitung befindet. Sucht die Stelle vorher mit einem Ortungsgerät für Strom- und Metallleitungen ab.
Haltet das Brett an die Wand und schlagt einen Nagel durch eines der Schraublöcher in die Wand. Zieht ihn wieder raus, er dient nur dazu, die Stelle zu markieren.
Legt das Brett weg und bohrt an der mit dem Nagel markierten Stelle in die Wand. Für die auf dem Seminar verwendeten Dübel und Schrauben muss das Loch 3 cm tief sein.
Bohrt lieber erst zu eng und nehmt, wenn der Dübel nicht reingeht, den nächst größeren Bohrer. Wenn ihr zu groß bohrt, hält der Dübel nicht im Loch. Dann braucht ihr erstmal Spachtelmasse.
Schraubt das Brett mit einer Schraube an die Wand, aber so, das das Brett noch Spiel hat und sich drehen lässt.
Bringt es mit Hilfe der Wasserwagen-App in eine Waagerechte Position und markiert das zweite Bohrloch mit einem Nagel.
Jetzt das Brett wegdrehen und das zweite Loch bohren. Anschließend festschrauben.
Um gerade in die Wand zu bohren, kann man wieder den o.g. rechten Winkel einsetzen. Dabei muss man die Maschine ausrichten ohne zu bohren und dann hoffen, dass man beim Bohren nicht verzieht. Ein Bisschen schräg macht aber nichts. Ob das Loch 0° oder 3° hat ist ziemlich egal. Nur wenn es zu schräg ist, sieht man das und die Befestigung hält nicht gut.
Für meine Schlagbohrmaschine habe ich mir eine Vorrichtung gebaut, mit der ich das iPhone daran befestigen kann. So meldet mir Clinometer, ob ich die Maschine waagerecht halte. Das ist aber sehr speziell und geht nur bei Maschinen, die eine plane Fläche rechtwinklig oder parallel zur Bohrrichtung haben. In dem Fall kann man das Smartphone auch daran festtapen.

Welches ist der richtige Bohrer?

Beitrag von Reiner Delgado DBSV Mitarbeiter » 30.11.2022, 16:23

Es gibt drei Hauptsorten von Bohrern, die man in eine Bohrmaschine einspannen kann: Für Stein, Holz und Metall.
Für eine Wand braucht man i.d.R. einen steinbohrer. Der ist an der Spitze etwas abgeflacht und zugleich etwas breiter.
Holzbohrer haben an der Spitze einen kleinen Dorn, fühlen sich also sehr spitz an.
Bohrer für Metall haben eine eher gleichmäßige Form, vielleicht wie ein Wachsmalstift und sind vorne nicht so spitz. Mit diesen kann man auch andere Materialien wie Kinststof bohren.

Mit Nägeln Braille auf ein Bret schreiben

Beitrag von Reiner Delgado DBSV Mitarbeiter » 30.11.2022, 16:42

Um mit Zier- oder Polsternägeln etwas in Brailleschrift auf ein Brett zu bringen, könnte man so vorgehen:
Auf ein Blatt Papier schreibt man die gewünschte Schrift vor, um dann eine Schablone zu haben. Da die Nägel aber große Köpfe haben, muss die Brailleschrift einen stark vergrößerten Punktabstand haben.
Stellt euch auf einem Blatt drei Zeilen mit Braille vor unnd in jeder Zeile etliche Braille-Formen (Eine Form meint den Bereich für die Punkte eines Braillezeichens.)
Sagen wir mal, wir wollen "Willkommen" auf unser Brett schreiben.

Die 6 Punkte des ersten Großdruck-Braillezeichen sind:
Punkt 1: 1. Zeile, 1. Form, Punkt 1
Punkt 2: 2. Zeile, 1. Form, Punkt 2
Punkt 3: 3. Zeile, 1. Form, Punkt 3
Punkt 4: 1. Zeile, 3. Form, Punkt 1
Punkt 5: 2. Zeile, 3. Form, Punkt 2
Punkt 6: 3. Zeile, 3. Form, Punkt 3

Wir lassen zum nächsten Zeichen 2 Formen frei. So sind die 6 Punkte unseres zweiten Zeichens folgende:
Punkt 1: 1. Zeile, 6. Form, Punkt 1
Punkt 2: 2. Zeile, 6. Form, Punkt 2
Punkt 3: 3. Zeile, 6. Form, Punkt 3
Punkt 4: 1. Zeile, 8. Form, Punkt 1
Punkt 5: 2. Zeile, 8. Form, Punkt 2
Punkt 6: 3. Zeile, 8. Form, Punkt 3

Wenn wir wieder 2 Formen frei lassen, beginnt das dritte Zeichen also in Form 11.

Der Buchstabe w von Willkommen wäre also:
Punkt 2: 2. Zeile, 1. Form, Punkt 2
Punkt 4: 1. Zeile, 3. Form, Punkt 1
Punkt 5: 2. Zeile, 3. Form, Punkt 2
Punkt 6: 3. Zeile, 3. Form, Punkt 3

Der Buchstabe i ist dann:
Punkt 2: 2. Zeile, 6. Form, Punkt 2
Punkt 4: 1. Zeile, 8. Form, Punkt 1

das fertige Schablonen-Blatt kleben wir mit Robbies Kreppband auf die Gewünschte Stelle aufs Garderobenbrett.
Mit dem großen Nagel zum Markieren hämmern wir genau durch jeden der Punkte ein kleines Loch ins Holz.
Wir nehmen das Blatt weg und hämmern in jedes Markierte Loch einen Ziernagel.
Fertig ist unser Braille-Wort.

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