Lustige Geschichten aus dem Alltag

Eine Behinderung kann kompliziert sein, gerade, wenn sie neu aufgetreten ist. Andere Menschen können kompliziert sein im Umgang mit Behinderung. Hier könnt ihr Erfahrungen austauschen.
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Lustige Geschichten aus dem Alltag

Beitrag von Sophie Heinicke » 27.04.2026, 15:49

Auch wenn das Themen Blindheit und Sehbehinderung nicht unbedingt lustig sind, so macht Humor den Umgang mit vielen Situationen leichter. Und hey, lustige Geschichten aus unserem Alltag haben wir doch alle, oder?

Unabsichtliche Begegnungen, spannende Unterhaltungen oder auch kuriose Tritte in Fettnäpfchen: Lasst uns gemeinsam lachen - mit- und natürlich nie übereinander.
Macht also gern mit!

Falls ihr die Geschichten lieber anonym schreiben wollt, dann sendet mir doch eure Story zu und ich veröffentliche sie ohne Namen. Schreibt mir gern hier, über Instagram (@dbsv_jugendclub), über Tiktok (@dbsv_jugend) oder per Mail an s.fredde@dbsv.org

Falls ihr auf Social Media an der Aktion teilhaben wollt, dann benutzt doch den Hashtag #InclusiveRealLife

Kilometerzähler – warum mein Langstock so heißt

Beitrag von Sophie Heinicke » 27.04.2026, 15:52

Ich war irgendwo in Deutschland auf einem Bahnhof am Raucherplatz unterwegs. Um mich herum standen mehrere Leute. Ich hatte meinen Langstock in der Hand und einen großen Button mit dem Blindenabzeichen (drei Punkte) – wie bei Batman mitten auf der Brust.

Da kam eine Frau zu mir und fragte mich ernsthaft, was ich denn für einen Stock hätte und was man damit macht. Ich konnte die Frage erst gar nicht fassen und sagte spontan:
„Das ist mein Kilometerzähler.“

Sie fragte: „Wo ist denn die Anzeige?“
Ich antwortete: „Die gibt es nicht, aber in der Kugel ist ein GPS drin, das mit einer App verbunden ist.“

Ich zeigte ihr sogar noch, wie die „Technik“ mit dem Stock funktioniert und erklärte ihr alles ganz genau.

Dann fragte sie mich tatsächlich noch, ob ich den bei Amazon bestellt habe. Ich sagte ihr, dass ich den vom Augenarzt auf Rezept bekomme und die Krankenkasse das bezahlt – aber die App und der Stock kosten extra. Deswegen muss beides auf dem Rezept stehen.

Die Leute rund um uns herum wussten schon gar nicht mehr, wo sie vor Lachen hinschauen sollten.

Sie sagte noch, dass sie sich in den nächsten Tagen bei ihrem Arzt melden wird, bedankte sich bei mir und ging.
Die Frage ist nur: Hat sie das wirklich gemacht? 😄

#inclusiveRealLife #BlindVorLachen #LangstockGeschichten #AlltagMitHumor #TypischUnserAlltag #HumorOhneSicht

– M. vom Norden

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Die Sonne und der Dönerspieß

Beitrag von carina » 05.05.2026, 15:49

Ich war vor einigen Jahren in Ägypten mit meiner Familie im Urlaub. Eines Abends, die Sonne war eigentlich schon untergegangen, gingen wir zum Abendessen. Plötzlich spürte ich etwas Warmes im Gesicht und fragte spontan: "Ist die Sonne wieder da?" Meine Schwester lachte und antwortete: 2Nein, das ist nur der Dönerspieß!"

Das falsche Auto

Beitrag von Sophie Heinicke » 12.05.2026, 13:47

Mein Vater wohnt in der Nachbarstadt und so machen wir immer mal wieder Dinge zusammen: gehen schwimmen, frühstücken, ein Bierchen trinken oder sonst etwas. Da er sehend ist, sackt er mich meistens bei irgendeiner S-Bahnhaltestelle ein, um den letzten Weg gemeinsam zu fahren.

Mein Vati ist Handwerker und fährt daher einen Kastenwagen, einen Zweisitzer, in grau. Ich habe zwar noch einen kleinen Sehrest, gelte aber als gesetzlich blind. Das vergisst mein Vater immer mal ganz gern und macht sich nicht immer bemerkbar.

Eines morgens stand ich mal wieder müde vor dem Bahnhof und passte nicht ganz auf. Vor mir hielt ein grauer Kastenwagen, also eigentlich halt vor der Tür des Bahnhofs und nicht vor mir, aber das wurde mir erst später klar. Ich riss quasi die Tür auf und murmelte: Das hat aber lange gedauert... wo fahren wir denn jetzt hin?

Die beiden Männer die mich dann etwas entsetzt aber lächelnd anschauten verrieten mir, dass das nicht mein Auto war. Ich stand wie versteinert da. Der Beifahrer (ein paar Jährchen älter als ich) schaltete schneller als ich und sagte, dass sie heute leider keinen Sitzplatz mehr frei hätten, aber vielleicht ein anderes Mal.

Ich muss ausgesehen haben wie eine Tomate. In dem Moment bog ein weiterer grauer Kastenwagen um die Ecke und hupte. Ich murmelte eine Entschuldigung und noch einen schönen Tag inklusive schiefem, peinlich berührtem Lächeln und stolperte zu dem anderen Wagen - betend, dass das jetzt der Richtige sei.

Fazit: Passt auf bei wem ihr ins Auto steigt haha

Bitte nicht einsteigen!

Beitrag von Sophie Heinicke » 17.05.2026, 22:21

Ich stand in einer Stadt in Mecklenburg-Vorpommern in einer belebten Gasse vor einem Gummibärenladen und überlegte, ob es dort Bären mit Schokospeck gibt – geworben wurde ganz großgeschrieben nur für Fruchtgummis. Ich entschloss mich, hineinzugehen und zu fragen: Also suchte ich einen Eingang. Als ich einen gefunden hatte, wunderte ich mich über die enorm hohe Stufe von ca. 50 cm und einem etwas niedrigeren, aber schmalen Absatz davor. So stieg ich also mit meinem Langstock im wahrsten Sinne des Wortes in den Laden. Am Ladentisch stand ein Mann, der in ein Buch, vermutlich ein Kassenbuch, guckte. Es gab sogar meine Speckbären, welche ich bei dem Mann bezahlte. Als ich mich zum Gehen wandte und noch überlegte, ob ich diese hohe Stufe wieder gut herunterkäme, sagte der Mann plötzlich zu mir: „Sie können zum Rausgehen auch die Tür benutzen“. Diese hatte tatsächlich davor mehrere Stufen – ich war zum geöffneten Schaufenster eingestiegen!
 
Viele Grüße
 
Cindy aus Chemnitz

Geschichte von Cindy Ulrich

Irgendwas habe ich vergessen…

Beitrag von Sophie Heinicke » 17.05.2026, 22:29

Ich bin spät erblindet, weshalb es für meine Mitmenschen eine große Umstellung war, und ist, dass ich nicht mehr sehen kann. Gerade zu Beginn ist es oft passiert, dass mir das Licht angemacht worden ist, wenn ich ins Bad gegangen bin, worauf ich nur antwortete: die Stromkosten sparen wir uns oder auf der Straße Kleinigkeiten nicht angesagt worden sind oder ganz normal gesagt wurde. Schau mal hier und natürlich noch ganz viele andere Situationen, In denen meine liebsten einfach für einen Moment vergessen hatten, beziehungsweise nicht auf dem Schirm hatten, dass ich nun blind bin.
Circa ein Jahr später wollte ich gemeinsam mit meiner Freundin im Park ein Picknick veranstalten. Ich hatte alles schon bereit gelegt und war kurz davor, von meinem Vater zur Straßenbahnhaltestelle gebracht zu werden. Ich hatte an alles gedacht und auch eingepackt bis mir aufgefallen ist, dass ich vielleicht noch meine Allergietabletten nehmen sollte und auch eine Cap nicht verkehrt wäre, genauso wie eine Sonnenbrille, weshalb ich noch einmal schnell zurück hastete, um diese zu holen. Wir fuhren also los zu der Haltestelle, die ein paar Minuten mit dem Auto entfernt ist. Bei der Straßenbahnhaltestelle angekommen fällt mir auf, dass ich meinen Blinden Stock vergessen habe. Dies habe ich meinem Vater erzählt, woraufhin er nur zu mir sagte: also jetzt noch mal zurückzufahren, schaffen wir nicht mehr. Aber brauchst du den denn wirklich? 
Ich wusste, dass ich, wenn ich erst mal in der Straßenbahn drin bin, auch ohne wieder herauskommen würde, und sagte zu ihm: nein, eigentlich nicht unbedingt. Meine Freundin holt mich ja dann ab und bringt mich auch wieder zurück.
Ich stieg also in die Straßenbahn ein und ohne Probleme wieder aus. Meine Freundin war sichtlich überrascht, dass ich ohne Blinden Stock gekommen war, und fand es, ich zitiere: cool, dass du den zu Hause gelassen hast. 
Dass ich ihn vergessen hatte und für einen Moment selber nicht auf dem Schirm hatte, dass ich ja blind bin und darauf angewiesen bin, den mitzunehmen, habe ich ihr erst später erzählt.



Viele Grüße von Jan

Outfit: Check

Beitrag von Sophie Heinicke » 17.05.2026, 22:38

Meine peinlichste und zugleich lustigste Geschichte ist mir gerade vor einer Woche passiert. Es war ein wunderbar warmer Tag und ich wollte mich Abends mit Freund*innen in der Stadt auf ein Kaltgetränk treffen. Ich freue mich u.a. deshalb so auf den Sommer, weil ich dann endlich wieder Kleider und Röcke tragen kann. Anfang des Jahres hatte ich mir einen mittellangen, schwarzen Rock bei Asos bestellt, der – wie ich finde – eine schöne Taille macht, und heute wollte ich ihn zum ersten Mal draußen tragen.

Ich muss dazu sagen, dass ich bisher immer gute Erfahrungen mit Online-shopping gemacht habe. Es ist für mich wesentlich stressfreier als durch irgendwelche reizüberfluteten, engen Läden gezerrt zu werden, und ich kann selbst sehr gut einschätzen, was mir steht.

Ich zog also den neuen Rock und ein dazu passendes Top an und machte mich auf den Weg zur U-Bahn. Dort ließ ich mich auf einen Sitzplatz fallen und wollte mir gerade meine AirPods in die Ohren stecken, als mich eine fremde Hand am Knie berührte. „You should pull your dress down.“, sagte eine Stimme. Verärgert schüttelte ich den Kopf. Was wollte die denn jetzt von mir? „No no, it’s fine“, sagte ich und konzentrierte mich voll auf meine Playlist. Die nächsten 20 Minuten vergingen wie im Flug. Ich musste an einem Bahnhof umsteigen, wo mir in der Rückschau betrachtet auffällig schnell Hilfe angeboten wurde.

„Hey, du siehst ja krass aus heute! Hast du noch was vor?“, begrüßte meine Freundin mich, als ich am Café ankam. Ich wunderte mich ein bisschen, denn besonders viel Mühe gegeben hatte ich mir jetzt nicht mit meinem Outfit und auffälliges Make-up trug ich auch nicht. Wir sprachen dann aber auch schnell über etwas anderes.

Einige Zeit später stand ich auf, um an die frische Luft zu gehen. „Ich würde den Rock ein bisschen runterziehen, man sieht deine komplette Unterwäsche.“, sagte meine Freundin. Und als ich ein bisschen verwirrt dreinblickte eröffnete sie mir, dass der Rock, den ich für durchgängig schwarz gehalten hatte, fast komplett durchsichtig war. Nur der obere Teil, den ich für die schöne Taille extra höher gezogen hatte, war schwarz. Nun ergab auch die Bemerkung der Person in der U-Bahn plötzlich Sinn. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken, aber konnte auch einfach nicht mehr aufhören zu lachen. In solchen Momenten bin ich echt froh, in einer anonymen Großstadt zu leben. Meine gekauften Outfits werde ich zukünftig aber doch besser nochmal auf ihre Alltagstauglichkeit Gegenchecken lassen.

Anonymer Beitrag

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